Afrika 2021 Reise

19. Rallyetag, der Tag nach dem Horror

3. September 2022
Unsere Autos an der Polizeistation
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Am Morgen, Dienstag 24. Mai 2022 nach unserem Horrortrip über die malische Grenze sind wir (manche weniger, ich mehr ausgeschlafen) in unseren Autos vor der Polizeistation aufgewacht. Scholz verschenkte noch irgendwie Zeug und und ich hab ein wenig mein Auto aufgeräumt. Momo hat halbwegs gut in der Hängematte geschlafen, meinte aber das ihn ein wenig der Lärm in der Nacht von den Autos störte. Kurze Zeit später kam dann einer daher der uns noch irgendwie eine Sightseeingtour durch Kayes andrehen wollte, was wir aber ablehnten weil wir andere Pläne hatten.

Wir warteten nun wieder. Gegen neun / zehn kam dann anscheinend der Polizeichef vom Frühstück und wir bekamen unsere Pässe mit den notwendigen Stempeln wieder. Zwischenzeitlich haben wir von Momo noch Geld wechseln lassen wo dann irgendein mir unbekanntes Problem zwischen Momo und Scholz entstand. Denn Scholz fuchtelte irgendwie mit einem 500 € Schein rum den Momo zu wechseln versuchte, es aber nicht klappte. Ich persönlich glaube es war ein falscher Schein. Denn später inspezierte ich den Schein und war eigentlich überzeugt das damit etwas nicht stimmte. Momo bekam ihn auch nach seinen Angaben bei mehreren Banken nicht gewechselt. Aber selbst wenn es ein echter Schein gewesen wäre, wie dumm ist es denn einen 500er mitzunehmen. Den wechselt doch nicht mal eine Bank bei uns daheim…

Nachdem wir unsere Pässe endlich wieder hatten hies es dann das wir die nächste Eskorte bekommmen. Wir sind dann also wieder von der malischen Polizei eskortiert worden und fuhren in die nächste Polizeistation wo wir unsere Pässe und unseres Visa erneut zur Kontrolle abgeben mussten. Bereits am späten Vormittag hatte es wieder über 40 Grad und wir konnten an dieser Polizeistation Gottseidank im Schatten warten. Nach einer weiteren halben Stunde hies es dann wir fahren jetzt los.

Es ging jetzt also weiter Richtung Grenze Mali/Senegal. Aber vorher hatte Scholz natürlich nochmal eine grandiose Idee….! Denn Momo hatte ihm in weiser Vorraussicht einen 20 Liter Kanister Wasser für seinen ständig heiß werdenden Motor organisert. Aber das war ihm nicht recht. Denn der tropfte ein wenig aus dem Entlüftungsloch auf seinen Beifahrersitz und machte diesen und angebliche Dokumente naß!!! Also muss der weg….!!!!! Er stellte also den Kanister trotz der Gefahr eines heiß werdenden Motors, wegen einem naßen Beifahrersitz in der Polizeistation in den Hof.

Wasser nachfüllen vor dem Start
Wasser nachfüllen vor dem Start

Auf dem Weg dann von Kayes Richtung Grenze jammerte er dann natürlich im Funk ständig rum das sein Motor so heiß wird und hielt dann schlußendlich irgendwo an weil es ihm zu brenzlig wurde. Er hatte dann natürlich KEIN Wasser mehr dabei. Ist es gerechtfertig hier von einem Idioten zu sprechen? Tut mir leid Scholz, aber so sehe ich das! Selbst die Polizisten, die uns sehr wohlgesonnen waren, boten ihm an an der nächsten Hütte Wasser zu kaufen was er aber ablehnte weil er meinte er hätte ja noch einen Karton Wasser im Kofferraum… Naja, vielleicht reicht das ja….

Momo und ich waren dieses Mal die letzten im Konvoi und er meinte an so einer Hütte ob ich Hunger hätte. Er besorgte dann dort nochmal Wasser für Scholz und wir genehmigten uns ein kleines Mittagessen während die anderen schon mal weiter fuhren.

Diese Mittagspause konnte ich neben der Fahrt im Auto dazu nutzen mein rudimentäres Schulfranzösisch im Gespräch mit Momo auszubauen. Was erstaunlich gut klappte wenn man dazu gezwungen wird. Denn das letzte mal das ich französisch gesprochen hatte war nach unserer Abifahrt nach Südfrankreich im Jahre 2004.

Auf dem Weg von Kayes nach Diboli
Auf dem Weg von Kayes nach Diboli

Irgendwann sind wir dann tatsächlich an die Grenze Mali / Senegal gekommen. Der Grenzort dort ist Diboli (fast wie der Teufel… ).

Der Grenzbeamte dort hatte es dann scheinbar auf mich abgesehen. Denn der fickte mich und mein Auto bis ins Letzte. Ständig fragte er mich ob ich beim Geheimdienst bin und immer wieder musste ich ihm bestätigen das ich nur zivil beim Landesvermessungsamt arbeite. Und das alles auf französisch! Mein ganzes Auto musste ich ausräumen. Alles lag im sandigen Dreck, was aber eh wurscht war, denn durch die vorige Etappe war sowieso alles voller Staub und Sand. Auch meine Kamera inspizierte er aufs Genaueste. Ich sollte sie einschalten, damit er einen Blick durchwerfen konnte und sicherstellen konnte das da nicht irgendwelche Drogen oder Waffen in der Kamera versteckt sind. Und durch die Hauruck-Schnell-Ausräumen-und-dann-wieder-Einräumen-Aktion entstand natürlich das absolute Chaos in meinem Auto!!

Chaos und Staub in meinem Auto
Chaos und Staub in meinem Auto

Um Ihm zu beweisen das ich tatsächlich nur Beamter beim Freistaat Bayern bin wollte ich ihm meinen Diensausweis zeigen. Den hatte ich aber scheinbar nicht mitgenommen (im Nachhinein ist mir das auch klar, denn das ist bei solchen Reisen sogar Vorschrift beim Staat. Das man den Staat nicht erpressen kann). Ich musste also improvisieren und zeigte ihm einfach meine ADAC Clubkarte als meinen Dienstausweis… 😉 Hat funktioniert, denn er zog ab und ließ mich dann auch in Ruhe.

Momo meinte dann später noch, es könnte sein das der Typ meinen Dachträger haben will. Und das er mich deswegen so gefickt hat. Ich hab dann später im Büro nur gemeint, er könnte meinen Dachträger schon haben, aber ich kann ihn nicht mehr vom Auto montieren weil ich den Schlüssel dazu verloren habe (was nur halb stimmte, denn ich hatte tatsächlich einen Schlüssel verloren. Aber einen von zwei… den anderen hatte ich noch). Das hat er akzeptiert und dann war er auch auf einmal wieder ganz fröhlich…

Wir waren dann anschließend noch bei dem Polizeichef im Büro (klimatisiert muss man sagen) und man hat uns dort ein Wasser angeboten. Wieder Pässe usw. kontrolliert, aber dann ging es auch nach kurzer Zeit zur nächsten Station. Der Zoll vom Senegal. Es hatte wieder um die 45 Grad und es war heiß! Es ist natürlich mittlerweile auch einige Zeit vergangen und es war bereits ca. zwei Uhr Nachmittag. Zu unserem Glück war das genau die Zeit in welcher die senegalesischen Zollbeamten Mittagspause machen…

Also haben wir zwei Stunden vor der Zollstation (Gottseidank im Schatten) darauf gewartet, das die feinen Herren ihre Mittagspause beenden. Momo hat zwischenzeitlich die Versicherungen für unsere Autos organisiert. Nachdem die Herren ihre Mittagspause beendet hatten, ging alles andere gottseidank recht zügig voran.

Vollbildanzeige

Download gpx Kayes bis Tambacounda:

Wir fuhren also dann weiter auf einer nagelneu geteerten Straße Richtung Süden und nach einigen Kilometern war es an der Zeit das Momo uns verlässt, denn er hatte seine Aufgabe erledigt uns über die Grenze in den Senegal zu bringen. Wir hielten dann nochmal um Momo den vereinbarten Preis für seine Arbeit zu zahlen. Dabei kam es natürlich wieder zwischen Scholz und Momo zum Streit, denn Scholz meinte Momo schulde ihm Geld und umgekert. Das hing wohl alles mit dem komischen 500er und der Sache an der Grenze in Mali zusammen. Ich habs nie ganz kapiert wo da der Haken lag. Momo ignorierte das und gab Scholz zu verstehen das er seinen Pass zurück an die Grenze bringt und er dann schauen kann wie er weiter kommt. Scholz zog dann einfach ab. Ich übernahm die Kosten für Scholz in der Hoffnung mir das später von ihm wieder zu holen, was allerdings ein ziemlich hohes Risiko darstellte. Denn ich hatte keine Ahnung was eigentlich tatsächlich vorgefallen war. Aber ich war der Überzeugung das Momo richtig gehandelt hatte und das Geld für seine Arbeit mehr als verdient hatte. Und dann hat Momo aus irgendeinem mir unbekannten Grund Ferdinand und Robert das Geld für seine Arbeit erlassen. Keine Ahnung warum.

Wir haben uns dann bei Momo verabschiedet und uns für seine gute Arbeit bedankt wärend Scholz dann wieder einfach abgezogen ist. Für mich (und auch für die anderen denke ich) hat er seinen Job bestens gemacht und jeden Cent verdient. Einer der ehrlichsten Menschen die ich kennenlernen durfte. Ich habe ihm dann noch eine Jacke geschenkt und er hat sich auf den Rückweg nach Selibabi gemacht um dort wieder Claudia zu treffen und die Reise dann in irgendeiner Weise, mit oder ohne Auto, fortzusetzen. Denn es war immer noch ungewiss was eigentlich mit Claudias Auto ist. Es war die Rede davon das der verschmurgelte Kabelstrang möglicherweise das Steuergerät zerstört hatte, was am Ende bedeuten würde dass das Auto in Selibabi bleiben musste. Es war aber nicht ganz klar, und ich habe dann Momo auch noch darauf hingewiesen das der Allrad von Claudia Probleme machte und ihm dazu geraten die selbe Piste die wir gefahren sind mit ihr nicht zu fahren, was ihm auch einleuchtete.

Wir sind dann anschließend wieder weiter mit dem Ziel des Safarihotels in ca. 60 km. Ferdinand war schon am Ende seiner Kräfte – aber das Safarihotel hatte zu. Also haben wir nochmal alle Kräfte zusammengenommen und sind nochmal ca. 100 km weiter bis Tambacounda gefahren wo wir dann auch wieder auf Scholz trafen. Dort sind wir dann in einem recht guten Hotel geblieben das sogar einen Pool hatte wo wir uns dann gut erhohlen und abkühlen konnten.

Von Tambacounda hatten wir dann noch ca. 400 km bis Bissau, unserem eigentlichen Ziel. Das ist aber dann Inhalt des nächsten Eintrags.

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